17.09.2015

Internationaler Tag für Patientensicherheit

Mit dem 1. Internationalen Tag der Patientensicherheit hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit auf die zahlreichen Initiativen und Fortschritte in Kliniken, Praxen oder Pflegeeinrichtungen hingewiesen. Ziel war und ist, dafür zu sorgen, dass sie in die Breite getragen werden und systematisch Anwendung finden können. Weit über 180 Einrichtungen des Gesundheitswesens, Krankenkassen, Patientenorganisationen, Unternehmen und Institutionen beteiligten sich bundesweit an dem Aktionstag am 17.September 2015. „Der Kampf gegen Keime ist ein Kampf an vielen Fronten und geht jeden an. Alle Akteure müssen ihre Verantwortung wahrnehmen: Gesetzgeber, Kostenträger, Ärzte, Pfleger, Krankenhausträger, Industrie, Patienten und Angehörige“, sagte Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des APS. Die rege Beteiligung an dem Aktionstag, ist ein gutes Zeichen für unsere Patientinnen und Patienten.

Kein Eintritt für Keime: Konzepte der „Infektion Prävention Initiative (IPI)“ gegen Krankenhausinfekte
Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e. V., Berlin

Schwerpunktthema 2015: Gemeinsam gegen gefährliche Keime in ambulanten und stationären Einrichtungen

Beispiel Kliniken: Rund 18,6 Millionen Menschen werden in den deutschen Kliniken behandelt, jeder 37. Patient erkrankt an einer nosokomialen Infektion und jeder 1240. Patient stirbt an einer Infektion. 80 Prozent aller Krankenhausinfektionen werden über die Hände übertragen. Die „Aktion Saubere Hände“ war deshalb 2008 initiiert worden, um mehr Wissen und Bewusstsein bei allen Beteiligten herzustellen. Auch wenn 70 Prozent der Infektionen auf „mitgebrachten“ Keimen basieren, sind 30 Prozent intern verursachte Infektionen in den Kliniken schlicht zu viele und von daher grundsätzlich zu bekämpfen. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat erstmals am 22. Januar 2015 im Thema „Infektionsprävention und Hygiene“ namhafte Fachgesellschaften zu einem gemeinsamen Austausch eingeladen. Bereits bei diesem Treffen waren sich die Partner einig, den Dialog zu gemeinsamen Positionen zu nutzen und der Initiative des APS einen Namen zu geben: „Infektion Prävention Initiative“. Am 01. März 2015 konnte das erste Positionspapier herausgegeben werden: eine gemeinsame Empfehlung hinsichtlich eines generellen Screenings vor geplanten Krankenhausaufnahmen (siehe Anlage 1). Die Erkenntnisse beim Auftreten nosokomialer Infektionen, die Bewertungen der Antibiotikaresistenzen, die Erkenntnisse bei ESBL und MRSA in kontaminiertem Fleisch und v. a. m. bedürfen gemeinsamer fachkundiger Beratungen, Diskussionen und zügiger weiterer Interventionen. Die z. T. skandalisierenden Berichte und die daraus resultierenden Unsicherheiten, insbesondere bei den Patienten selbst, benötigen bundesweit aus unserer Sicht vertiefende Wissensvermittlung, höhere Transparenz und sachlich-richtige Aktionen. Bundesminister Gröhe hat am 23. März 2015 mit dem 10-Punkte-Plan im Thema alle aufgerufen mitzuwirken. Die IPI unterstützt und begrüßt diesen Aufruf und hat sich zum Ziel gesetzt, die einzelnen Punkte vertiefend zu diskutieren und daraus jeweils gemeinsame Empfehlungen zu erarbeiten. Das aktuelle Positionspapier der IPI stellt sich der Frage von Infektionsprävention und Pflegepersonalausstattung und zeigt anhand international und national vorliegender Studienergebnisse auf, dass dringender Handlungsbedarf besteht, der systemseitig und praxisnah zu initiieren ist (siehe Anlage 2 und 3).

Zusammenfassung der jüngsten Empfehlung:

„Aufgrund der Daten in der wissenschaftlichen Literatur und in Übereinstimmung mit den Vorschlägen von wissenschaftlichen Fachgesellschaften wie Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) stellt die Infektion Prävention Initiative (IPI) folgende Forderungen für die

Personalausstattung in der Pflege:

  • Intensivstationen (Standardversorgung)

Mindestens 1 Pflegekraft für 2 Patienten in allen Schichten

  • Intensivstationen mit besonderem Betreuungsaufwand (z. B. Schwerstverbrannte, ECMO-Therapie, hoher Anteil von Patienten mit Beatmung oder Dialyse, Neugeborenen-Intensivtherapie)

1 Pflegefachperson pro Patient in allen Schichten

  • Intermediate Care Stationen (IMC)

1 Pflegefachperson für 4 Patienten

  • Normalstationen

Angleichung an die europäische Durchschnittsversorgung:

1 Pflegefachperson für 7 Patienten, im Nachtdienst für maximal 25 Patienten

Zudem sollten weitere Untersuchungen auf Normalstationen zur Bestimmung von sinnvollen Pflegepersonalschlüsseln sowie zur adäquaten Zusammensetzung eines Pflegeteams hinsichtlich der Qualifikation aus der Perspektive der Infektionsprävention durchgeführt werden.“

 Pressekonferenz des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e. V. (APS) am 16.September 2015 anlässlich des 1.Internationalen Tages für Patientensicherheit am 17.September 2015 in Berlin